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Kevin Ashton - Wie man ein Pferd fliegt

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Untertitel: Ungewöhnliche Konzepte für Innovation und Kreativität

Entscheidungsträger und Autoritätspersonen in Wirtschaft, Wissenschaft und Regierung betonen alle, dass sie Kreativität schätzen, aber wenn man sie testet, stellt sich heraus, dass sie die Kreativen nicht schätzten. Warum? Weil besonders kreative Menschen meist auch verspielter, unkonventioneller und weniger berechenbar sind, und damit auch schwerer zu kontrollieren. Man kann noch so sehr betonen, wie sehr man Kreativität schätzt, aber tief drinnen haben die meisten von uns lieber die Kontrolle.

Unsere Neigung, neue Ideen im Prinzip zu begrüßen, sie dann aber in der Praxis abzulehnen, ist ein Merkmal, kein Fehler. Jede Spezis hat eine eigene Nische, und jede Nische hat eigene Risiken und Vorteile. Unser Vorteil ist die schnelle Anpassung: Unsere Werkzeuge verändern sich schneller, als die Evolution unsere Körper verändern kann. Unser Risiko besteht darin, dass unsere neuartigen Schritte in die Dunkelheit führen können. Wenn wir etwas Neues erschaffen, kann uns das umbringen; wenn wir nichts Neues schaffen, werden wir auf jeden Fall sterben. Das macht uns zu widersprüchlichen Wesen: Wir brauchen und fürchten die Veränderung. Kein Mensch ist nur progressiv oder nur konservativ. Jeder ist immer beides.

Kevin Ashton, Wie man ein Pferd fliegt, München 2016, S. 102 ff

Menschen mit einem gesunden intellektuellen Selbstbewußtsein müssen niemanden beweisen, wie clever sie sind. Sie gehen empirisch vor und streben nach der Wahrheit. Menschen mit mangelndem intellektuellen Selbstbewußtsein müssen allen zeigen, wie clever sie sind. Sie sind egoistisch und wollen triumphieren.

Hibbard reagierte perfekt auf die kühne Behauptung seines neuen Mitarbeiters, das Flugzeug von Lockheed sei Schrott. Ein Manager kann kaum machtvoller reagieren als mit der Aufforderung: "Beweisen Sie es mir".

ebd., S. 213

 

Martin Suter - Montecristo

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"Sie sind also der Meinung, dass eine kritische Größe gibt, ab der man einen Skandal nicht mehr aufdecken darf?"
Gobler nickte heftig. "Und dieser Punkt ist dann erreicht, wenn dessen Enthüllung der Allgemeinheit mehr schadet als nützt. Und in unserem Fall ist er mehr als erreicht. Er ist weit überschritten. Haben Sie das noch nie erlebt, dass Wahrheit mehr schadet als die Lüge?"

Martin Suter: Montecristo, Zürich 2015, S. 292

 

Jo Nesbö - Durst

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Es ärgerte aber Steffens nicht mehr, dass die Menschen die Kälte für etwas Greifbares hielten und nicht verstanden, dass sie bloß die Abwesenheit von Wärme war. Die Kälte war das natürlich Dominierende. Die Wärme die Ausnahme. Wie Mord und Grausamkeit natürlich und logisch waren, Barmherzigkeit hingegen eine Anomalie, das Resultat komplizierter Regeln des menschlichen Zusammenlebens, um das Fortbestehen der Art zu sichern. Dabei hatte nicht die Barmherzigkeit den Menschen das Überleben gesichert, sondern die außerordentliche Fähigkeit, anderen Arten gegenüber grausam zu sein. So führte das Wachstum der Bevölkerung dazu, dass der Mensch nicht mehr nur auf die Jagd ging, sondern auch Fleisch produzierte. Allein das Wort Fleischproduktion, allein die Idee! Menschen hielten Tiere in Gefangenschaft, nahmen ihnen all ihre Freude und Entwicklungsmöglichkeiten, entfremdeten sie der Natur, damit sie unfreiwillig Milch und extra zartes Fleisch lieferten, nahmen ihnen ihre Kinder, kaum dass sie auf der Welt waren, hörten die verzweifelten Schreie der Muttertiere, nur um sie dann gleich wieder zu schwängern.

Jo Nesbö: Durst, Berlin 2017, S. 553

 

Der Roman als großes Werk

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Milan Kundera setzt in seinem Essay-Band Verratene Vermächtnisse die Latte sehr hoch, oder er teilt die Romane nur anders ein?

... der größte Teil der heutigen Romanproduktion besteht aus Romanen, die außerhalb der Geschichte des Romans stehen: Beichten in Romanform, Reportagen in Romanform, Abrechnungen in Romanform, Autobiographien in Romanform, Indiskretionen in Romanform, Denunziationen in Romanform, politische Lektionen in Romanform, Todeskämpfe des Vaters in Romanform, Todeskämpfe der Mutter in Romanform, Entjungferungen in Romanform, Entbindungen in Romanform, Romane ad infinitum, Romane, die nichts Neues sagen, keine ästhetischen Ansprüche haben, keine Veränderungen bringen, weder für unser Verständis für Menschen, noch für die Form des Romans; sie gleichen einander und sind morgens perfekt konsumierbar; abends perfekt wegwerfbar.

Meiner Meinung nach können große Werke nur innerhalb der Geschichte ihrer Kunst entstehen und indem sie an ihr teilhaben. Einzig innerhalb der Geschichte kann man erfassen, was neu und was nachgesagt, was Entdeckung und was Nachahmung ist, mit anderen Worten, nur innerhalb der Geschichte kann ein Werk als Wert existieren, den man erkennen und schätzen.

Aus: Milan Kundera, Verratene Vermächtnisse, Frankfurt a. M. 1996, S. 22.

Als Autor lauern überall Gefahren. Ich dachte, eine Leserschaft finden und ein wenig kommerziellen Erfolg haben, ist erstrebenswert. Das Überleben als Werk ist eine andere Liga.

 

Volker Kutscher: Die Akte Vaterland

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Klappentext und Rezensionen: https://www.perlentaucher.de/buch/volker-kutscher/die-akte-vaterland.html

Preußenschlag

Die Frankfurter Allgemeine vom 14.12.2012 schreibt:

Volker Kutschers Berlin-Krimi „Die Akte Vaterland“ ist anders als viele andere Beispiele dieses Genres. Denn er versteht es, Zeitgeschichte mit spannender Dramaturgie zu vereinen.

So erlebt die Kommissaranwärterin Charlotte Ritter den Staatsputsch des deutschen Reichskanzlers gegen die demokratische Regierung Preußens am 20.Juli 1932: „Plötzlich war draußen ein Tumult zu hören, laute Stimmen, Rufe. Die Beamten schauten sich an ... Das Bild ließ keinerlei Zweifel zu: Die Reichswehr hatte den Berliner Polizeipräsidenten verhaftet und führte ihn aus seinem Dienstsitz.“ Albert Grezinski, der Polizeipräsident, hat an diesem Tag für das Begräbnis eines bei Straßenkämpfen erschossenen Polizisten seinen schwarzen Cutaway mit Zylinder angelegt: „Es war die passende Kleidung für die Beerdigung der preußischen Demokratie.“

Die Szene ist der geheime Höhepunkt von Volker Kutschers neuem Kriminalroman „Der Fall Vaterland“, und sie erklärt zugleich, warum Kutschers Berlin-Krimis anders sind als andere Beispiele des Genres. Kutscher möchte nicht bloß durch historische Einsprengsel die passende Atmosphäre für seine Mordfälle herstellen, er will Geschichte selbst erzählen.

Noch nie hatte ich etwas vom "Preußenschlag" gehört, geschweige denn von einer vorbildlichen preußischen Demokratie. Tja, da muss man erst spannende Krimis lesen, um die deutsche Geschichte "erleben" zu können. Aber besser spät als nie. Wer da noch Fantasy-Romane braucht...

 

Egoist

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Egoist

Auf meinem Weg zum Bestsellerautor stieß ich auf ein relativ altes Werk von Lajos Egri: Literarisches Schreiben, New York, 1965. Autoren sollen lernen, Charaktere zu gestalten. Und da, so Lajos Egri, er sich am besten kennt, gibt er eine kurze Beschreibung seiner selbst.

Ich bin ein gieriger eifersüchtiger Egoist und ständig darauf aus, andere dazu zu bringen, mich zu lieben. Tag und Nacht grüble ich: Wie kann ich es anstellen, so wichtig zu sein, dass den Leuten gar nichts anderes übrig bleibt, als mich für einen tollen Kerl zu halten? Ich geb´s nicht gern zu, aber ich will am liebsten immer nur Zustimmung ernten.

So bin ich zu dem Schluß gekommen, dass es für alles, was ich sage, nur zwei Gründe gibt:

  1. Sympathie für mich zu gewinnen und
  2. zu zeigen, wie wichtig ich bin.

Das habe ich in meinem eigenen Schädel entdeckt. Zuerst hat es mir Angst eingejagt: "Unmöglich, dass ich das bin!" Aber auf den zweiten Blick sah ich leider schon wieder dasselbe. Es stimmt, das alles bin ich. (Berlin, 2002, S. 8)

 

Robert Harris: Die Freiheit

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starb mit Cicero. Und noch nie hatte ich solch einen anschaulichen und spannenden Geschichtsunterricht! Vier Wochen war ich von Robert Harris´ Cicero-Triologie gefesselt.

Staatssklave

Hinter ihm (Pompeius) ein Staatssklave, der ihm ins Ohr flüsterte, dass er nur ein Mensch und alles vergänglich sei.

Wahlergebnisse

Vorher musste er (Caesar) noch die Ergebnisse der Wahlen für die kommenden drei Jahre festlegen. Eine Liste wurde veröffentlicht.

Es hilft, die heutige Welt besser zu verstehen, wenn man erfährt, dass es schon vor 2000 Jahren so war wie heute. Die Macht verabscheut wohl nur der, der sie nicht hat?

Die Beschäftigung mit der Römischen Republik zu Zeiten des Cicero sollte in jeder demokratischen Gesellschaft auf der Tagesordnung stehen - und erst recht auf derem Lehrplan. So dass auch dem letzten klar wird, welche Witzfiguren die Diktatoren von heute sind.

 

Kundera: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

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Ich habe ein kurzes Büchlein gelesen, welches ohne jeden Plot auskommt. Also das Gegenteil von Jo Nesbö. Aber da es von Milan Kundera war, geht das in Ordnung. Er hat sich mit seinen 83 Jahren einfach das Theater drumherum erspart.

Bei den Rezensionen kommt der Tenor durch, das Büchlein sei Altherrenliteratur, gespickt mit Altherrenwitzen. Dieser Eindruck entsteht bei der Zusammenfassung der Literaturkritiken auf www.perlentaucher.de. Das mag wohl sein, doch dann war es bei Kundera schon immer so...

Die dortige Zusammenfassung zu Ulrich Greiners Rezension ist wirkungsvoller als die Original-Kritik:

Die Krux (dieses Buches) liegt in der Überwindung des Bedürfnisses nach Sinn, die das ganze Spiel von Hoffnung und Verzweiflung aus den Angeln heben kann, um sie durch die "Technik, zu überdauern" zu ersetzen, erklärt Greiner, der hinter dieser Feststellung aber noch immer eine große Trauer spürt.

Es ist nahezu unmöglich, eine bedeutende Rezension zu einem Büchlein namens Das Fest der Bedeutungslosigkeit zu schreiben. Aber der Satz vom "Spiel von Hoffnung und Verzweiflung", welches durch "die Technik, zu Überdauern" ersetzt werden soll, ist genial. Punkt.

Kundera:

... die Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz. Sie ist überall und immer bei uns. Sie ist sogar dort gegenwärtig, wo niemand sie sehen will: in den Greuel, in den blutigen Kämpfen, im schlimmsten Unglück. Das erfordert oft Mut, sie unter dramatischen Umständen zu erkennen und bei ihrem Namen zu nennen. Aber es geht nicht nur darum, sie zu erkennen, man muss sie lieben, die Bedeutungslosigkeit, man muss lernen, sie zu lieben. ... atmen Sie diese Bedeutungslosigkeit ein, die uns umgibt, sie ist der Schlüssel zur Weisheit, sie ist der Schlüssel zur guten Laune.

Wie kommt Kundera auf diese Weisheit?

Die Zeit rennt. Dank ihr sind wir zunächst Lebende, was bedeutet: Angeklagte und Verurteilte. Dann sterben wir und bleiben noch ein paar Jahre bei denen, die uns gekannt haben, aber sehr bald folgt erfolgt eine andere Veränderung: Die Toten werden alte Tote, niemand erinnert sich mehr an sie, und sie verschwinden im Nichts; nur einige, sehr, sehr wenige, hinterlassen ihren Namen in den Gedächtnissen, verwandeln sich jedoch, ohne jeden authentischen Zeugen, jede echte Erinnerung, in Marionetten...

Das bisher schönste letzte Werk eines Autors. Bald habe ich es verdrängt und gebe mich wieder mit voller Wucht dem Spiel von Hoffnung und Verzweiflung hin. Ha, da habe ich doch gelesen, dass meine Lieblingssängerin ZAZ in Kaliningrad war. Aber lest das Büchlein doch selbst!

 

I Become an Author 4 - The Importance of Being Disastrous

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Nur wer schreibt, der bleibt! I will be the next Jo Nesbö. But for now I have to learn a bit. The funny way. This is what Randy Ingermanson says in How to Write a Novel Using the Snowflake Method. .

 

The Big Bad Wolf now also threatens Goldilocks, but suddenly...

Baby Bear stood there grinning. “I’m fine. This is my friend, the Big Bad Wolf. I asked him to burst in and fire a blank at me. I had a capsule of fake blood in my paw, and I smashed it on my chest.”

“Why would I kill you?” the Big Bad Wolf asked. A sly smile slid across his face. “I said I’d shoot you only if you decided to use the Snowflake Method.”

“Because …” Goldilocks didn’t realize she’d made the decision until she thought about it just now. “Because when you threatened me, when you said I couldn’t use the Snowflake Method, I realized that … I really do want to try it out.”

“Did everybody see what just happened there? Goldilocks made a decision.”

The Big Bad Wolf went to the whiteboard and picked up a marker. He held it poised at the board and wrote:

WHY YOUR STORY NEEDS DISASTERS

  1. Excitement
  2. Decision
  3. New Directions

Baby Bear went to the whiteboard and found an empty space. “What we’ve learned is called the Three-Act Structure, although I sometimes like to call it the Three-Disaster Structure. Designing your Three-Act Structure is the second step of the Snowflake Method, and I like to do it in one paragraph of five sentences.” He wrote on the board:

YOUR ONE-PARAGRAPH SUMMARY

  1. Give yourself one hour for this task.
  2. Write one paragraph with five sentences as follows:
    • Explain the setting and introduce the lead characters.
    • Explain the first quarter of the book, up to the first disaster, where the hero commits to the story.
    • Explain the second quarter of the book, up to the second disaster, where the hero changes his mode of operations.
    • Explain the third quarter of the book, up to the third disaster, which forces the hero to commit to the ending.
    • Explain the fourth quarter of the book, where the hero has the final confrontation and either wins or loses or both.
  3. Focus on the disasters and the decisions that follow.
  4. Don’t try to figure out how you’ll solve all the problems. Leave that for later. You only care about the big picture in this step.