Skip to main content
 

Leo und Gutsch: Ich bin der ostdeutsche Mann | Berliner Zeitung

Selten so gelacht. Ich bin austherapiert.

Ich schreibe diese Zeilen als Betroffener. Ich bin seit meiner Geburt ein ostdeutscher Mann. Für meine Mutter war das nie leicht, zumal auch mein Bruder trotz aller ärztlichen Bemühungen ein ostdeutscher Mann wurde. Als Kind saugte ich an den giftigen Milchbrüsten der Diktatur, und wenn ich heute, 27 Jahre nach Ende der DDR, das Wort „Demokratie“ schreiben möchte, verkrampft sich meine Hand wie bei einem Erstklässler und dann steht da plötzlich: „Ausländer raus!“. Es ist eine Art Ost-Tourette-Syndrom.

In der Berliner Zeitung las ich, dass der ostdeutsche Mann sich zuweilen „Waffen und Camouflageanzüge“ kauft und von „Ordnung und Führung“ träumt. Das erschien mir stark übertrieben, ja geradezu klischeehaft. Aber dann schaute ich in meinen Kleiderschrank und sah dort zehn Camouflageanzüge neben einem Haufen frischpolierter Schnellfeuerpistolen!

Bei Zeit Online las ich einen Artikel mit der Überschrift „Wer ist der ostdeutsche Mann?“ Es klang, als würden sie den Yeti suchen, oder das Ungeheuer von Loch Ness. Fast wäre ich in die Redaktion gefahren und hätte gesagt: Huhu, da bin bin ich! Aber man weiß nie, wie Menschen reagieren, die noch nie einen ostdeutschen Mann getroffen haben.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/28512012 ©2017 - Berliner Zeitung vom 30.09.2017

 

Mein Roman - Lebensglück im Unrechtsstaat?

In letzter Zeit ist gelegentlich diskutiert worden, ob man in der DDR glücklich leben konnte. Natürlich hat jeder Mensch, unter welchen Umständen auch immer, die Möglichkeit, sein kleines persönliches Glück in der Familie, auf dem Gartengrundstück oder beim Briefmarkensammeln zu suchen und zu finden. Das ist so richtig wie banal. Doch darum geht es nicht allein. Die Frage lautet: Gab es ein wirkliches Lebensglück im Unrechtsstaat?

Die Antwort muss wohl lauten: Ja, dieses Glück gab es. Ein "Gespräch über Bäume" schloß eben nicht, wie Brecht meinte, das "Schweigen über so viele andere Untaten" ein. Fröhlichkeit und Lebenslust, Spaß und Ironie waren die wichtigsten Waffen im Kampf gegen die diktatorische Anmaßung, das Leben des Einzelnen bestimmen zu wollen.

Ein wenig später als Abschluß des Prologs:

Die alltägliche Diktatur und der diktatorische Alltag sind nicht voneinander zu trennen. Geborgenheit und Unfreiheit gehörten zusammen. Die Wärme der Gemeinschaft und die kollektivistische Totalkontrolle bildeten eine untrennbare Einheit.

Aus: Die heile Welt der Diktatur: Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Stefan Wolle, Berlin 2013, S. 18

 

Das ist ein recht komplizierter Text von @publizist. Bei einmaligem Lesen bringt erst der letzte Satz völlige Klarheit: "Wer will eigentlich noch Demokratie und Rechtsstaat? Wer will mehr als die Freiheit der eigenen "Bedürfnisbefriedigung" und "Anspruchsberechtigung?" - Genauer ist eigentlich nur noch Sennewalds Kürzung auf 140 Zeichen: "Wer sich von politischen Parteien Profit fürs eigene Wohlergehen erhofft, hat das Zeug zum Mitläufer einer Diktatur." - Die Überschrift ist schaurig-schön. Wie ich bereits bei der Stichwahl Macron - LePen feststellen musste, gibt es als erste Weggabelung kein lechts oder rinks, sondern nur Demokraten und Antidemokraten. Das erklärt auch die ausbleibende Wahlempfehlung der Linken für Macron.

 

Kindergarten-Zeichnungen aus der DDR

3 min read

In der DDR mußten fast immer beide Elternteile arbeiten, um ausreichend Geld zu verdienen. Nur die wenigsten Frauen waren Hausfrauen. So ging ich mit 3 Jahren in den Kindergarten: von 1969 bis 1973. Zur Erinnerung: Walter Ulbricht tritt am 3. Mai 1971 als Erster Sekretär des ZK zurück. 1973 stirbt er im Alter von 80 Jahren. Der neue Mann heißt Erich Honecker.

Mein Berliner Kindergarten befand sich im Treptower Ortsteil Johannisthal in der Nieberstraße. Johannisthal grenzte an die Berliner Mauer. Das Wachregiment "Felix Dzerzynski" befand in Adlershof und somit nicht allzuweit entfernt.

Zeichenmappe

DDR-Kitakunst

In jedem Kindergarten wird viel gezeichnet. Egal wo und in welcher Gesellschaftsform. Das bemerkenswerte an meiner Zeichenmappe war, dass sie

1.) erst mit Abschluss des Kindergartens meinen Eltern überreicht wurde. Sie war vollständig! Nichts ging verloren oder vergessen.

2.) und in einer Diktatur entstand. Wie hoch war eigentlich der Anteil an Zeichnungen, die direkt sozialistische Ideologie oder DDR-Devotionalien zum Thema hatten? Wann stand die Mutter im Mittelpunkt? Ein jeder kann sich ein Bild machen, denn ich habe die Zeichnungen mit Tags versehen (s.u.).

Sämtliche 106 Zeichnungen befinden sich in einem Flickr-Album DDR-Kinderzeichnungen.

Lizenz

Dieser Text und sämtliche Fotos von Andreas Petersell stehen unter einer Creative Commons Namensnennung  3.0 Deutschland Lizenz.

Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anfertigen und das Werk kommerziell nutzen. Einzige Bedingung: Namensnennung. Sie müssen den Namen des Autors/Rechteinhabers *Andreas Petersell* nennen.

Tags

Ich habe die Zeichnungen mit verschiedenen Tags versehen. Dadurch sind die Zeichnungen unter einem bestimmten Stichwort über eine URL aufrufbar. Einige Zeichnungen wurden mit mehreren Tags versehen.

Sie können jederzeit eigene Tags hinzufügen und sich somit ein eigenes Zählsystem einrichten.

kitakunstddr

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstmama

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstpapa

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstsaison

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstnatur

kitakunstselbstbildnis

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstmaltechnik

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

kitakunstvorlage

DDR-Kindergarten-Zeichnungen

 

 

Hilfe, die Grenztruppen der DDR haben mich geliket!

3 min read

oder: Warum sind wir auf Instagram?

Ich bin ein Anfänger, was Instagram betrifft. In meiner Naivität habe ich ein Foto eines Kitsch-Wimpels mit dem Aufdruck "Sieger im sozialistischen Wettbewerb" hochgeladen. Er hing im Schaufenster eines Gebrauchtwarenladens wie in einem Kuriositätenkabinett. Ich dachte mir: "Sieh an, doch noch gar nicht so lange her, dass mit der Diktatur." Nur 2 Hashtags fügte ich hinzu: und .

Ein Bild ohne jede Erklärung und aus jedem Kontext gerissen, so dass es ein Nutzer grenztruppen_der_ddr ruhigen Gewissens liken konnte. Schnell habe ich noch die fehlenden Hashtags u.ä. hinzugefügt.

Fehlende Hashtags auf Instagram

Siehe auch: https://instagram.com/p/4STjd5xYa4/

Man kann nicht verhindern, dass Ewiggestrige sich im Netz tummeln wie wir. Ewiggestrige, die glauben, in der Jugend eine schöne Zeit gehabt zu haben, und sich immer noch nicht bewußt sind, dass sie anderen Gewalt angetan haben. Gewalt ist, Menschen einzumauern und auf sie wie die Hasen zu schießen, wenn sie ausbrechen. Und verhöhnen kann man sie auch: man läßt sie im Rentenalter rumhoppeln, wo immer sie wollen. Auch außerhalb der Mauer.

Aber darum soll es eigentlich nicht gehen. Wichtiger: Was wäre nun gewesen, wenn grenztruppen_der_ddr seinen Namen nicht zum Programm gemacht hätte und als blixi_x geliket hätte? Ich hätte mich gefreut! Ich will geliebt werden von allen, so lange ich nicht weiß, welcher Gesinnung sie nachhängen!

Es heißt, Instagram ist das neue Facebook. Auch ohne Zahlenmaterial will ich das glauben. Denn die Jugendlichen meines Bekanntenkreises nutzen hauptsächlich Instagram und Whatsapp. Böse Zungen behaupten, Facebook wird nicht mehr genutzt, weil man da zuviel Texte schreiben muss. Die illiterate Jugend posted Bildchen und verziert sie mit Hashtags. Eine Kunst, wie ich inzwischen weiß.

Jugendliche auf Instagram

Siehe auch: https://instagram.com/p/4U5a40AKtE/

Der Tag oder brachte obiges Bild. Ein nettes Buchstabenspiel. Aber möchten wirklich nur Heranwachsende eine Rückversicherung darüber, wie andere Menschen über sie denken?

Auch Klaus Eck, ein Kommunikationsprofi im besten Alter, dessen Arbeiten ich sehr schätze, veröffentlicht Fotos auf Instagram. So auch dieses:

Hamburger Bahnhof

Siehe auch: https://instagram.com/p/3wqLCswjVj/

Und 38 Nutzern gefällt ein Bild vom Hamburger Bahnhof! Das sind keine Jugendlichen? Warum posten wir fast kontextlose Fotoschnipsel, die von anderen aus urheberrechtlichen Gründen nicht weitergenutzt werden können?

Könnten das möglich Gründe sein?

  • Komische Straßenszene: seht, ich bin so humorvoll, dass ich die Komik erkannt habe.
  • Sonnenuntergang: seht, so romantisch kann ich sein.
  • Hamburger Bahnhof: seht, ich bin noch da und ein Kommunikationsprofi.

Meine erste Reaktion auf den Like von grenztruppen_der_ddr war, den Beitrag sofort zu löschen. Aber da er mich zum Nachdenken über das Wirken von "Gefällt mir"-Klicks angeregt hat, bleibt er bestehen.

  1. Wie lange würdest Du ohne einen einzigen "Like" weiterposten?
  2. Welche Lücke füllen die Likes, die Du erhältst, in Deinem Leben?
  3. Welche Lücke füllen die Likes, die Du vergibst (z.B. bei einem Bahnhofsbild), in Deinem Leben?