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Mein erster Roman

2 min read

Berlin-Oberschöneweide Herrenkonfektion

Ich mache Ernst

Da ich schon das zehnte Mal Randy Ingermansons How to Write a Novel Using the Snowflake Method amüsiert gelesen hatte und immer noch nichts passierte, wollte ich Ernst machen: ich meldete mich im Februar 2017 zu zwei VHS-Kursen an.

  1. Romane Schreiben (J. Kandzora und S. Mewe)
  2. Der erste Schritt zum Roman (J. Powalla)

Beide Kurse waren lehrreich. Die ersten beiden Dozenten durchliefen die Literaturwissenschaft im Schnelldurchlauf und gingen viele Beispiele anhand mitgebrachter Kopien durch. Frau Powalla brachte den Teilnehmern das Expose-Schreiben und die Literaturagenten nahe.

Autobiographisches

Beiden Kursen war gemein, dass sämtliche Teilnehmer autobiographisches zum Anlass nahmen, mit dem Schreiben anzufangen. Wir waren alle Betroffene! Das ist legitim, denn sehr vieles in den Texten eines Menschen ist autobiographisch. Und dennoch hatte diese geballte Ladung Betroffenheit einen reinigenden Lehreffekt: entlasse die Protagonisten so schnell wie möglich aus deiner autobiographischen Umklammerung, gewähre ihnen die Freiheit!

Texterfahrung

Welch unerotisches Wort - Texterfahrung! Doch ich habe sie gemacht. Ich musste in den Kursen eigene Texte schreiben, sie laut einem Publikum vorlesen und sie ggf. erklären - also “zu ihnen stehen”. Das war vielleicht die wichtigste Erfahrung aus beiden Kursen! Über das Wollen, einen Text zu schreiben, hin zum Schreiben und laut vorlesen. Und darüber sprechen.

Ach so: es wurden nie explizit in den Kursen darüber gesprochen: schreiben muss jeder seinen Roman natürlich selbst ;-)

 

Ich bin wichtig

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Ich bin wichtig

Auf meinem Weg zum Bestsellerautor stieß ich auf ein relativ altes Werk von Lajos Egri: Literarisches Schreiben, New York, 1965. Autoren sollen lernen, Charaktere zu gestalten.

Wichtig sein ist wichtig. Schockiert es Sie, wenn ich behaupte, dass alle Literatur auf diese These zurückzuführen ist? Gleich, welches Theaterstück, welchen Roman Sie lesen und ob es dort um Liebe oder Hass geht: hinter jedem Werk steht der Wunsch, wichtig zu sein. (Berlin, 2002, S. 27)

Wir haben es geahnt.

Wichtigkeit ist unser äußerster Schutzwall. Sie tut auch unserem Ego und unserer Gesundheit gut. Aber in einen Zustand der Sicherheit, wie wir ihn erträumen, kann sie uns nur sehr kurz versetzen. Denn leider ist Wichtigkeit eine leicht verderbliche Ware. Viele Menschen neiden Sie Ihnen, und viele versuchen, sie zu untermininieren und Ihnen zu nehmen.

Eine Fassade der Bedeutsamkeit zu errichten, ist uns angeboren. Denn im Schutz dieser Fassade verbergen wir unsere Angst - die Tochter der Unsicherheit und die Mutter aller menschlichen Gefühle. Wichtig sein ist lebenswichtig. (ebd. S. 34)

 

Kundera: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

3 min read

Ich habe ein kurzes Büchlein gelesen, welches ohne jeden Plot auskommt. Also das Gegenteil von Jo Nesbö. Aber da es von Milan Kundera war, geht das in Ordnung. Er hat sich mit seinen 83 Jahren einfach das Theater drumherum erspart.

Bei den Rezensionen kommt der Tenor durch, das Büchlein sei Altherrenliteratur, gespickt mit Altherrenwitzen. Dieser Eindruck entsteht bei der Zusammenfassung der Literaturkritiken auf www.perlentaucher.de. Das mag wohl sein, doch dann war es bei Kundera schon immer so...

Die dortige Zusammenfassung zu Ulrich Greiners Rezension ist wirkungsvoller als die Original-Kritik:

Die Krux (dieses Buches) liegt in der Überwindung des Bedürfnisses nach Sinn, die das ganze Spiel von Hoffnung und Verzweiflung aus den Angeln heben kann, um sie durch die "Technik, zu überdauern" zu ersetzen, erklärt Greiner, der hinter dieser Feststellung aber noch immer eine große Trauer spürt.

Es ist nahezu unmöglich, eine bedeutende Rezension zu einem Büchlein namens Das Fest der Bedeutungslosigkeit zu schreiben. Aber der Satz vom "Spiel von Hoffnung und Verzweiflung", welches durch "die Technik, zu Überdauern" ersetzt werden soll, ist genial. Punkt.

Kundera:

... die Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz. Sie ist überall und immer bei uns. Sie ist sogar dort gegenwärtig, wo niemand sie sehen will: in den Greuel, in den blutigen Kämpfen, im schlimmsten Unglück. Das erfordert oft Mut, sie unter dramatischen Umständen zu erkennen und bei ihrem Namen zu nennen. Aber es geht nicht nur darum, sie zu erkennen, man muss sie lieben, die Bedeutungslosigkeit, man muss lernen, sie zu lieben. ... atmen Sie diese Bedeutungslosigkeit ein, die uns umgibt, sie ist der Schlüssel zur Weisheit, sie ist der Schlüssel zur guten Laune.

Wie kommt Kundera auf diese Weisheit?

Die Zeit rennt. Dank ihr sind wir zunächst Lebende, was bedeutet: Angeklagte und Verurteilte. Dann sterben wir und bleiben noch ein paar Jahre bei denen, die uns gekannt haben, aber sehr bald folgt erfolgt eine andere Veränderung: Die Toten werden alte Tote, niemand erinnert sich mehr an sie, und sie verschwinden im Nichts; nur einige, sehr, sehr wenige, hinterlassen ihren Namen in den Gedächtnissen, verwandeln sich jedoch, ohne jeden authentischen Zeugen, jede echte Erinnerung, in Marionetten...

Das bisher schönste letzte Werk eines Autors. Bald habe ich es verdrängt und gebe mich wieder mit voller Wucht dem Spiel von Hoffnung und Verzweiflung hin. Ha, da habe ich doch gelesen, dass meine Lieblingssängerin ZAZ in Kaliningrad war. Aber lest das Büchlein doch selbst!