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Karriere

Wir waren in den Herbstferien in Walsrode und haben auf der Rückfahrt einen Stopp in Celle gemacht. Und manche Schauwerbegestalter haben einen speziellen Humor - oder gar keinen.

 

Kundera: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

3 min read

Ich habe ein kurzes Büchlein gelesen, welches ohne jeden Plot auskommt. Also das Gegenteil von Jo Nesbö. Aber da es von Milan Kundera war, geht das in Ordnung. Er hat sich mit seinen 83 Jahren einfach das Theater drumherum erspart.

Bei den Rezensionen kommt der Tenor durch, das Büchlein sei Altherrenliteratur, gespickt mit Altherrenwitzen. Dieser Eindruck entsteht bei der Zusammenfassung der Literaturkritiken auf www.perlentaucher.de. Das mag wohl sein, doch dann war es bei Kundera schon immer so...

Die dortige Zusammenfassung zu Ulrich Greiners Rezension ist wirkungsvoller als die Original-Kritik:

Die Krux (dieses Buches) liegt in der Überwindung des Bedürfnisses nach Sinn, die das ganze Spiel von Hoffnung und Verzweiflung aus den Angeln heben kann, um sie durch die "Technik, zu überdauern" zu ersetzen, erklärt Greiner, der hinter dieser Feststellung aber noch immer eine große Trauer spürt.

Es ist nahezu unmöglich, eine bedeutende Rezension zu einem Büchlein namens Das Fest der Bedeutungslosigkeit zu schreiben. Aber der Satz vom "Spiel von Hoffnung und Verzweiflung", welches durch "die Technik, zu Überdauern" ersetzt werden soll, ist genial. Punkt.

Kundera:

... die Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz. Sie ist überall und immer bei uns. Sie ist sogar dort gegenwärtig, wo niemand sie sehen will: in den Greuel, in den blutigen Kämpfen, im schlimmsten Unglück. Das erfordert oft Mut, sie unter dramatischen Umständen zu erkennen und bei ihrem Namen zu nennen. Aber es geht nicht nur darum, sie zu erkennen, man muss sie lieben, die Bedeutungslosigkeit, man muss lernen, sie zu lieben. ... atmen Sie diese Bedeutungslosigkeit ein, die uns umgibt, sie ist der Schlüssel zur Weisheit, sie ist der Schlüssel zur guten Laune.

Wie kommt Kundera auf diese Weisheit?

Die Zeit rennt. Dank ihr sind wir zunächst Lebende, was bedeutet: Angeklagte und Verurteilte. Dann sterben wir und bleiben noch ein paar Jahre bei denen, die uns gekannt haben, aber sehr bald folgt erfolgt eine andere Veränderung: Die Toten werden alte Tote, niemand erinnert sich mehr an sie, und sie verschwinden im Nichts; nur einige, sehr, sehr wenige, hinterlassen ihren Namen in den Gedächtnissen, verwandeln sich jedoch, ohne jeden authentischen Zeugen, jede echte Erinnerung, in Marionetten...

Das bisher schönste letzte Werk eines Autors. Bald habe ich es verdrängt und gebe mich wieder mit voller Wucht dem Spiel von Hoffnung und Verzweiflung hin. Ha, da habe ich doch gelesen, dass meine Lieblingssängerin ZAZ in Kaliningrad war. Aber lest das Büchlein doch selbst!